- Im Bestand ist der Plan ein Vorschlag — das Mauerwerk hat das letzte Wort.
- Enge Baustellen brauchen mehr Organisation als Material.
- Wer mit Nachbarn, Bauamt und Denkmalpflege früh spricht, baut schneller.
Warum Bestand anders ist
Auf der grünen Wiese ist alles neu und alles bekannt. Im Bestand ist nichts davon der Fall: Das Nachbarhaus steht seit 1890 und hat ein Fundament, das niemand je gesehen hat. Die alte Wand, an die angebaut werden soll, ist aus Ziegeln, die es nicht mehr gibt. Unter dem Hof liegt ein Gewölbe, von dem kein Plan weiß.
Bauen im Bestand heißt deshalb: Erst sehen, dann planen, dann bauen — und bereit sein, den Plan zu ändern, wenn das Mauerwerk etwas anderes sagt.
Lückenbebauung: Bauen zwischen Nachbarn
Eine Baulücke in der Altstadt ist das anspruchsvollste, was wir im Rohbau machen. Die Nachbarwände dürfen nicht beschädigt werden, oft tragen sie mit. Die Zufahrt ist so eng, dass kein Betonmischer durchpasst. Lagerfläche gibt es keine, jeder Stein kommt per Hand oder Kran über die Straße.
In Stralsund haben wir so gebaut: zwischen zwei Bestandsgebäuden, mit Traufhöhe und Fassadenteilung, die die Denkmalpflege vorgab. Was es braucht, ist weniger Material als Organisation — und Leute, die wissen, wie man eine Nachbarwand unterfängt, ohne dass im Haus daneben die Tassen wackeln.
Altbausanierung: der Bestand hat Recht
Ein Haus von 1910 hat 60 Zentimeter dicke Vollziegelwände ohne Horizontalsperre, Kappendecken auf Stahlträgern und ein Fundament aus Feldsteinen. Wer das mit den Methoden des Neubaus anfasst, macht es kaputt.
Deshalb: Kalkputz statt Zement, Sanierputz im Sockel, Innendämmung statt dickem Paket außen, wo die Fassade erhalten bleiben soll. Der Altbau verzeiht vieles, aber keine Baustoffe, die dichter sind als er selbst.
Denkmalschutz: Partner, nicht Gegner
In Stralsund, Greifswald und vielen Dörfern stehen Häuser unter Schutz. Das heißt nicht, dass man nichts darf — es heißt, dass man vorher fragt. Die Denkmalpflege hat in der Regel klare Vorstellungen zu Fassade, Fenstern und Dach, und oft gibt es Förderung dafür, sie umzusetzen.
Wir sprechen früh mit dem Amt, bringen Muster mit und klären, was geht. Das spart Monate.
Was Sie als Bauherr mitbringen sollten
Geduld für Überraschungen, ein Budget mit Reserve — zehn bis fünfzehn Prozent sind im Bestand normal — und die Bereitschaft, Entscheidungen auf der Baustelle zu treffen statt am Schreibtisch. Dafür bekommen Sie ein Haus mit Geschichte, in einer Lage, in der niemand mehr neu bauen kann.
Geschrieben von der F + W Hochbau GmbH, Mesekenhagen. Stand 11.10.2026. Allgemeine Hinweise aus der Praxis — kein Ersatz für die Prüfung vor Ort.



